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Seit 01.01.2006 hat der
Schäferhundeverein Österreich die ED-Befundung verpflichtend eingeführt.
Geschichte der ED
Während der vergangenen 15-20 Jahren traten
in zunehmender Häufigkeit Lahmheiten an den Vordergliedmassen bei jungen Hunden
grosswüchsiger Rassen auf, die schon im jugendlichen Alter zur Entstehung
degenerativer, arthrotischer Veränderungen an den betroffenen Gelenken führen.
Hierbei war eine ständig wachsende Anzahl an Ellbogengelenkserkrankungen
festzustellen deren Differenzierung zunehmend exakter wurde. Anfang der
sechziger Jahre war nur der sogenannte Isolierte Processus Anconeus (IPA)
(vorwiegend bei DSH auftretend) bekannt, andere Ellbogenerkrankungen, die mit
Arthrosen einhergingen wurden als idiopatische Gelenkarthrose bezeichnet (und so
nur konservativ behandelt).
Anatomie
Das Ellbogengelenk, ein sogenanntes
Scharniergelenk, besteht aus drei verschiedenen Knochenanteilen. Die proximale
Gelenkfläche wird von der Gelenkwalze des Oberarms gebildet. Diese wird vom
oberen Anteil der Elle umfasst, die eine halbmondförmige Aussparung aufweist,
wobei sie im oberen Teil den Processus anconeus als zapfenförmigen Fortsatz
aufweist und nach unten in einem aussen gelegenen kleineren Processus
coronoideus lateralis und innen in einem grösseren Processus coronoideus
medialis (innerer und äusserer Kronfortsatz) ausläuft. Diese beiden unteren
Fortsätze umgreifen wiederum den Radiuskopf, dessen Gelenkfläche ca. 80% des Körpergewichtes
trägt (die beiden Processus coronoidei zusammen übernehmen ca. 20 %).
Faktoren zur ED
Prinzipiell kann diese
Gelenkserkrankung bei allen Rassen als Folge eines Traumas/Unfalls respektive
durch Überbelastung entstehen. Dabei werden die Gelenkflächen des Ober- oder
des Unterarmes entweder direkt (Quetschung/Stauchung des Knorpels,
Gelenkfraktur) oder indirekt (Achsabweichung nach Frakturen oder Verletzung der
Wachstumsfuge) in Mitleidenschaft gezogen.
Jedoch ist die Erkrankung in der Regel ein genetisches Problem, das vor allem
bei grossen Rassen (z.B. Berner Sennenhund, Deutscher Schäfer, Retriever,
Rottweiler, Mischlinge davon) auftritt. Da es sich aber um einen komplexen
Erbgang handelt (beide Elterntiere müssen Träger des Dysplasiegenes sein) und
die Aufzucht sowie die Haltung ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die
Entwicklung der Gelenke haben, kann eine dysplastische Erkrankung des Ellbogens
immer auftreten. Es besteht somit auch keine hundertprozentige Sicherheit, einen
dysplasiefreien Welpen zu kaufen, wenn beide Elternteile frei von
Ellbogendysplasie sind.
Damit die Wahrscheinlichkeit grösser wird, einen gesunden Welpen zu erhalten,
muss unbedingt darauf geachtet werden, dass beide Elterntiere frei von
Ellbogendysplasie sind. Grosse Aufmerksamkeit muss aber vor allem der Aufzucht
gefährdeter Rassen entgegengebracht werden .
Eine sehr wichtige
Komponente bei der Auswahl des Welpen besteht in der Berücksichtigung der
Genetik seiner Eltern bezüglich Ellbogendysplasie. Wie bereits oben erwähnt,
ist die Gefahr, einen dysplasiegefährdeten Welpen zu kaufen, geringer, wenn die
Eltern radiologisch keine Anzeichen einer Ellbogenveränderung aufweisen. Die
Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung des Ellbogengelenkes verkleinert sich, je
mehr Ahnen dysplasiefrei sind.
Während der Aufzucht eines Welpen muss der Fütterung ebenfalls eine wichtige
Rolle zugeschrieben werden. An erster Stelle ist sicher die Futtermenge
entscheidend. Ein Welpe muss in der Regel sein Futter gegen seine Geschwister
verteidigen, wodurch er sehr hastig frisst. Wenn er nun bei seinen neuen
Besitzern ist, wird er sein Fressverhalten vorläufig nicht ändern und
weiterhin alles gierig fressen. Dies verleitet fast jede/n Welpenbesitzer/in
dazu, dem jungen Wollknäuel noch mehr Futter hinzustellen. Schliesslich hat er
schnell und alles gefressen, und hat somit sicher noch Hunger. Leider ist das
ein Trugschluss, der dazu führt, dass viele Welpen zu dick werden. In der Folge
muss der Welpe mehr Gewicht herumschleppen, als es seine Knochen und Gelenke
ertragen. Deshalb ist auch beim Spielen und Herumtollen die Belastung der
Gelenke und Wachstumszonen um ein Vielfaches höher als bei einem
normalgewichtigen Welpen. Aus diesem Grund können sich folgende Probleme
ergeben:
- die
Wachstumsfugen schliessen sich zu früh, was zu krummen Beinen und
Fehlbelastung im Ellbogen und Handgelenk führen kann.
- die
Knochenfortsätze (Processus olecrani, Processus coronoideus, Processus
anconaeus) verwachsen unter Umständen nicht mit den Unterarmknochen und
bilden isolierte, die Gelenkaktivität störende Knochenteile.
- der
Gelenkknorpel wird unnötig mehr belastet, was zum Ablösen vom Knochen führen
kann.
Aus diesen Gründen ist ein wohlgenährter Welpe sicher anfälliger
auf Gelenkerkrankungen als ein vielleicht sogar etwas untergewichtiger Welpe.
Die Futtermenge ist immer abhängig vom Futter, der Verdauung und der Bewegung
des Welpen. Als Richtlinie ist die gute Tastbarkeit der Rippen anzusehen. Sind
diese sichtbar, ist der Welpe eher zu mager, sind sie nicht mehr tastbar, ist
der Welpe zu dick.
Als weitere mögliche Ursache einer Ellbogendysplasie muss sicher das Hinauf-
und Hinunterrennen von Treppen in Betracht gezogen werden. Es ist eine grosse
Belastung und erwiesenermassen schlecht für die jungen Gelenke, im Besonderen für
die Ellbogen, wenn ein Welpe häufig Treppen runterrennt. Von Vorteil sind
Treppenabsperrungen und Tragen des Welpen. Wird der Junghund zu gross und schwer
zum Tragen, sollte er unbedingt die Treppen hinauf- und heruntergeführt werden.
Somit verringert sich die abrupte Belastung des noch sehr weichen, jugendlichen
Knorpels und Knochens, was zur Erhaltung der optimalen Gelenkstrukturen beiträgt.
Auch Wanderungen sind genauso kritisch zu betrachten und aus der Sicht der Tierärztin/des
Tierarztes nicht zu befürworten. Übermässige Beanspruchung sollte unterlassen
werden, bis der Welpe circa 1-jährig ist, da auch dies zur Überbelastung des
Bewegungsapparates führt.
Das Herumtollen mit Spielkameraden sollte auf keinen Fall unterbunden werden, da
auf diese Weise das normale Sozialverhalten erlernt wird und sich der Welpe zurückziehen
oder hinlegen kann, wenn es ihm zu bunt wird.
Die klinischen
Anzeichen eines Problems im Ellbogengelenk können sich sehr schnell oder auch
relativ langsam bemerkbar machen. Sie zeigen sich durch Lahmheit bei einseitiger
Gelenkerkrankung sowie durch klammen Gang mit kurzen Schritten bei beidseitiger
Erkrankung. Da die Gangveränderungen und Schmerzen aber erst im Alter von ca. 5
- 9 Monaten auftreten, wenn der Junghund seine stärkste Wachstumsphase hat, können
zu diesem Zeitpunkt bereits massive Gelenkschäden vorhanden sein. Diese können
leider nicht mehr rückgängig gemacht werden. Eine Therapie besteht nur noch in
der Minimierung der Folgeschäden, d.h. der Schmerzbekämpfung und dem Versuch,
die Arthrosebildung zu unterdrücken oder zu stoppen. Aus diesem Grund ist beim
Junghund mit Lahmheit die sofortige Konsultation bei der Tierärztin oder beim
Tierarzt dringend zu empfehlen
Das Ellbogengelenk wird aus drei
verschiedenen Knochen gebildet. Dem Humerus (Oberarm), dem Radius (Speiche) und
der Ulna (Elle).
Die Ursachen der Fehlentwicklungen im Ellbogengelenk gehen hauptsächlich von
der Elle und der Speiche sowie von deren Verknöcherungszentren und
Wachstumsfugen aus. Eine Folge dieser Störungen können sein:
- Stufenbildung
zwischen Elle und Speiche durch ungleichmässiges Wachstum.
- Nichtverwachsen
der einzelnen Verknöcherungszentren der Elle durch Über- oder
Fehlbelastung.
- Zu
kurze Elle durch zu frühen Schluss der Wachtumsfuge im Handgelenk.
- Missbildung
der einzelnen Knochenfortsätze.
- Absprengung
des Processus coronoideus innen an der Elle durch Über- oder Fehlbelastung.
- Knorpelmissbildungen
/ -schäden (OCD: Osteochondrosis dissecans).
Alle diese Veränderungen können einzeln oder miteinander
auftreten und führen zwangsläufig zu einer Inkongruenz der Gelenkflächen und
somit zu einer gewissen Instabilität. In den meisten Fällen zieht eine Veränderung
die andere nach sich, womit ein Teufelskreis entsteht. Der Körper reagiert auf
diesen Reiz mit Entzündung und versucht mit Knochenzubildung eine
Stabilisierung des Gelenkes zu erreichen, was zu Arthrose und Schmerz führt.
Die wichtigste
Massnahme zur Verhinderung einer Ellbogendysplasie ist die Zucht mit
dysplasiefreien Hunden. Dies ist aber nur möglich, wenn bei möglichst vielen
Hunden die Ellbogen geröntgt und ausgewertet werden. Die Resultate werden im
Stammbaum eingetragen, und können problemlos eingesehen oder sonst beim Züchter
nachgefragt werden. Zuchttiere mit nicht optimalen Gelenken sollten nicht
zur Zucht eingesetzt werden. Auch wenn die Verpaarung mit einem dysplasiefreien
Hund Nachkommen ohne Dysplasie ergeben kann, ist zu bedenken, dass die Welpen
mit Sicherheit Träger des krankmachenden Genes sind. Auf diese Art und Weise
ist somit die Reduzierung der dysplasiekranken Hunde nicht möglich.
Bei der Aufzucht der Welpen ist, wie oben bereits erwähnt, auf das Gewicht
(Rippen immer gut tastbar), gutes Futter (Junghundefutter mindestens bis zum
abgeschlossenen Zahnwechsel, besser bis zum Erreichen des ersten Geburtstages)
und vernünftige Bewegung (kein Treppenrennen, keine langen Wanderungen, kein
Velofahren bis mindestens 1-jährig) zu achten
Klinische Symptomatik
Die erkrankten Hunde zeigen häufig eine Auswärtsstellung
der Vorderpfoten, die Ellbogengelenke werden eng am Körper gehalten. Tritt eine
Lahmheit auf, ist diese anfangs intermittierend, stärker nach Ruhe und/oder
Belastung und verstärkt sich im weiteren Krankheitsverlauf oft bis zur
hochgradigen Lahmheit. Bei längerer Krankheitsdauer kann sich eine
Muskelatrophie der Oberarmmuskulatur entwickeln. Die Gelenke sind vermehrt gefüllt
und schmerzhaft bei Manipulation (passiver Bewegung und Druck). Bestehen schon
erhebliche Arthrosen, können Reibegeräusche hörbar sein und Bewegungseinschränkungen
des Gelenkes vorhanden sein.
Radiologie
Eine wichtige Rolle bei der Diagnostik und
Differenzierung der verschiedenen Ellbogenglenkerkrankungen kommt der
radiologischen Untersuchung zu. Selbstverständlich sind bei dieser Untersuchung
bei Ellbogengelenke zu röngten.
Klassifizierung
der Ellbogendysplasie
Die
Klassifizierung basiert auf dem Nachweis von Osteophyten (knöchernen
Zubildungen) als Ausdruck einer Arthrose. Die Auswertung und endgültige
Begutachtung erfolgt durch eine zentrale Auswertungsstelle.
ED
0
- normal
keine
Abnormität erkennbar
ED 1
- leichte Arthrose
Ostephytenbildung
geringer als 2 mm breit
ED 2
- mittlere Arthrose
Osteophytenbildung
zwischen 2 und 5 mm breit
ED 3
- Schwere Arthrose
Osteophytenbildung
breiter als 5 mm.
Bei
den Befunde ED 0 und Ed 1 wird vom SVÖ ein Stempel auf der Ahnentafel
angebracht. Eigentümer von Hunden mit ED 2 bzw. 3 werden durch das Zuchtbuchamt
verständigt.
Röntgenbilder des Ellbogengelenkes
| Quelle: Dr. Siegrid Schleich und Verein Berner
Sennenhunde |
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